PFAS im Trinkwasser

PFAS, Trinkwasser – und warum eine Klarstellung bis heute fehlt

Im Gemeindeblatt von Seitingen-Oberflacht wurde zur Fragestunde der Einwohner folgende Aussage veröffentlicht:

„Ein Gremiumsmitglied wies darauf hin, dass über den Bodenfilter ein Großteil dieser Chemikalien ausgefiltert werde und nicht ins Trinkwasser gelangt. Zudem finde über die Ultrafiltrationsanlage im Hochbehälter Grashalde eine weitere Reinigung statt.“

Gemeint waren mögliche PFAS-Einträge – sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ – im Zusammenhang mit geplanten Windenergieanlagen.

Was beruhigend klingt, ist fachlich falsch.

PFAS werden weder durch Böden – insbesondere nicht in Karstgebieten – noch durch Ultrafiltrationsanlagen zuverlässig zurückgehalten. Ultrafiltration entfernt Keime und Partikel, aber keine gelösten Spurenstoffe wie PFAS. Die im Gemeindeblatt vermittelte Schutzwirkung existiert so nicht.

Auf diesen Sachverhalt wurden der Bürgermeister und die Gemeinderäte mehrfach schriftlich hingewiesen. Die Hinweise waren sachlich, fachlich begründet und mit Quellen unterlegt. Ziel war keine Grundsatzdebatte, sondern eine schlichte Richtigstellung, um ein falsches Sicherheitsgefühl bei einem sensiblen Thema zu vermeiden.

Bis heute ist jedoch keine Klarstellung im Gemeindeblatt erfolgt.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Rolle des Bürgermeisters. Jürgen Buhl ist nicht nur Bürgermeister, sondern zugleich Verbandsvorsitzender des Abwasserzweckverbands. In dieser Funktion sollten Fragen zu Schadstoffeinträgen, Filtertechnik, Vorsorge und möglichen Folgekosten – insbesondere bei PFAS – zum täglichen Arbeitsfeld gehören. Dass PFAS weder durch Böden noch durch Ultrafiltration entfernt werden, sollte dort als grundlegendes Fachwissen gelten.

In seinen Antworten ging der Bürgermeister darauf jedoch mit keinem Wort ein. Statt einer inhaltlichen Einordnung wurden Anfragen weitergereicht oder auf spätere Verfahren verwiesen. Für Außenstehende entsteht so der Eindruck, dass eine offenkundig falsche Darstellung nicht korrigiert werden soll.

Das ist umso problematischer, weil PFAS im Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen nicht automatisch geprüft werden. Sie spielen dort nur dann eine Rolle, wenn Gemeinden sie explizit in ihren Kriterienkatalog aufnehmen oder entsprechende Anforderungen formulieren.

Wer heute suggeriert, das Problem sei bereits technisch „abgefiltert“, sorgt damit indirekt dafür, dass es morgen gar nicht mehr geprüft wird.

Das eigentliche Problem ist daher weniger die ursprüngliche Aussage.
Es ist das Ausbleiben einer Klarstellung, trotz mehrfacher Hinweise und trotz vorhandener Zuständigkeit.

Gerade beim Trinkwasser wäre Genauigkeit wichtiger als Beruhigung.
Eine kurze, sachliche Richtigstellung hätte genügt.
Dass sie bis heute fehlt, wirft Fragen auf.